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Wenn Menschen denken, dass sie an etwas nicht glauben können, weil es ihnen zu kompliziert ist, oder dass etwas für sie glaubwürdig ist, in dem sie es gefällig machen, dann steht hier die Komplexität als ein kritischer Punkt des theoretischen Zugangs zur Diskussion. In diesem Sinne bringt Komplexität Gefälligkeit und Glaubwürdigkeit zusammen. Die beiden sind zueinander im Widerspruch, zufällig sind sie aber genau durch diesen Widerspruch miteinander verbunden.

Eines der größten Themen in der Publizistikkommunikation ist das Problem, dass das Verhältnis zwischen der journalistischen Praxis und dem System Journalismus in der Theorie sehr stark verstanden wird, wie ein ökonomisches Partner Verhältnis von Produktion versus Konsum. Wegen dieses ökonomisch gedachten Zugangs entsteht die Frage, ob das Publikum nimmt oder akzeptiert was die journalistische Praxis tut.

Die affirmativen Modelltheorien befriedigen die Komplexitätsreduktion in ökonomischen, organisatorischen und technischen Fragen aber schaffen kein Wissen. Die theoretische Beschreibung der Funktion des Journalismus in Bezug auf Komplexität kann nicht nur als Reduktion dieser Komplexität, sondern auch als Aufarbeitung und selektive Fokussierung auf Komplexität aufgefasst werden. Medienkompetenz ist eine Voraussetzung, um Komplexität zu verstehen.

Die Glaubwürdigkeit wird mit Komplexität herausfordert, man kann aber die Komplexität der Welt nicht nur glaubwürdig oder nur gefällig machen. Jedoch kann die Glaubwürdigkeit auch so sein, dass die Menschen bereit sind, die Komplexität zu verstehen, zu akzeptieren und damit gut umgehen zu können.

http://othes.univie.ac.at/48876/  – Wüthrich, Fernanda C. S. (2017) Glaubwürdig oder gefällig? Eine kritische Analyse Journalismus-theoretischer Konzepte zu einem Schlüsseldilemma gesellschaftlicher Kommunikation.

 

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